Reifen München
Definition Reifen
Ein Rad besteht aus 2 Teilen, einer Felge und einem
Reifen. Der
Reifen umfasst die Felge und bildet dabei die Lauffläche des Rades, welches im Normalfall ständig im Kontakt mit dem Boden ist und die Kraft des Fahrzeuges auf die Straße überträgt.
Die Geschichte des Reifens
Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden meist Holzräder verwendet. Da das Holz sehr schnell verschließen war, wurde das Holzrad mit einem eisernen Ring beschlagen. Dieser Eisenring wurde im erhitzten Zustand auf das Rad aufgezogen. Durch die Abkühlung des Metalls zog sich der Ring fest zusammen und entwickelte eine Spannung auf das Holzrad, so dass beide fest miteinander vereint waren. Der Vorteil dieser Art von
Reifen war, dass einzelne defekte Holzteile des Rades nach dem Lösen des Eisenrings einfach ausgewechselt werden konnten. Dagegen mussten bei reinen Holzrädern, das komplette Rad ausgetauscht werden.
Neben den Holzrädern waren wesentlich teurere Vollmetallräder im Einsatz.
1839 wurde von Charles Goodyear ein Verfahren zur Vulkanisierung des Kautschuks entwickelt. Durch dieses Verfahren entsteht Gummi, der auch heute noch Ausgangsstoff für fast alle
Reifen ist. Lediglich bei Schienenfahrzeugen besteht der Radreifen aus spezialgehärtetem Stahl.
Reifenarten
Reifen stellen das Bindeglied zwischen dem Fahrzeug und der Fahrbahn dar. Daher beeinflusst die Beschaffenheit der
Reifen auch das Fahrverhalten eines Fahrzeuges wesentlich. Der Fahrbahn kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da die Beschaffenheit des Untergrundes die Anforderung an die
Reifen stellt. Zudem nehmen Witterungseinflüsse einen großen Einfluss auf das Fahrverhalten und damit auf die Reifenanforderungen. Theoretisch gibt es für jede Straßen- und Witterungsverhältnis einen optimalen
Reifen. Dies würde jedoch im Alltag einen ständigen
Reifenwechsel verursachen. Aus diesem Grund heraus werden
Reifen produziert, die ein breites Spektrum von Einflüssen abdecken.
Reifen gibt es für die unterschiedlichsten Fahrzeuge und Transportmittel. Da die
Reifen auf die jeweiligen Verwendungszwecke abgestimmt sind, kann man sie nach den jeweiligen Transportmitteln unterscheiden, wie z.B. nach
Autoreifen,
Nutzfahrzeugreifen,
Motorradreifen,
Fahrradreifen,
Gabelstaplerreifen,
Landwirtschaftsreifen,
Forstreifen,
Radbaggerreifen,
Flugzeugreifen,
Industriereifen etc.
Daneben kann man
Reifen nach ihren Einsatzzweck (z.B.
Sommerreifen,
Winterreifen,
Ganzjahresreifen,
Geländereifen,
LKW-Reifen,
Reifen mit Notlaufeigenschaften), nach ihrer Bauart (Diagonal- oder Radialreifen) oder nach der Herstellung (
Neureifen oder
runderneuerte Reifen) unterscheiden.
Sommerreifen
Sommerreifen bestehen aus Gummimischungen, die auch bei hohen Temperaturen nicht zu weich werden. Nur so kann auch bei hohen Straßentemperaturen eine hohe Geschwindigkeit mit einer gleichzeitig relativ geringen Abnutzung erzielt werden.
Sommerreifen sind nicht für Temperaturen oberhalb der 0 °C geeignet, sondern auch für alle Feuchtigkeitsgrade in diesem Temperaturbereich.
Neben den verschiedenen
Reifengrößen (Felgendurchmesser in Zoll & Breite der Lauffläche in Millimeter) ist bei der Auswahl der richtigen
Reifen darauf zu achten, dass
Reifen mit dem geeigneten Geschwindigkeitsindex eingesetzt werden, d.h. die
Reifen müssen zwingend für die Geschwindigkeit ausgelegt sein, die das Fahrzeug theoretisch erreichen kann. Die Geschwindigkeitsklasse kann als letztes Zeichen der Reifenbezeichnung auf der Flanke des
Reifens abgelesen werden. Der Geschwindigkeitsindex V gibt bspw. an, dass die
Reifen für 240 km/h ausgelegt sind, H für 210 km/h, S für 180 km/h und Q für 160 km/h.
Winterreifen
Sinken die Temperaturen unterhalb von 7 °C, so wird der Einsatz von
Winterreifen empfohlen.
Winterreifen bestehen aus weicheren kälteresistenten Gummimischungen, die auch bei Minustemperaturen relativ weich bleiben und so eine bessere Kraftübertragung gewährleisten. Sie sind meistens mit einem M&S-Symbol (für Matsch und Schnee) oder einer stilisierten Schneeflocke gekennzeichnet.
Theoretisch können
Sommerräder auch bei Temperaturen bis knapp über dem Gefrierpunkt eingesetzt werden. Praktisch sollte jedoch der Wechsel von Sommer- auf
Winterreifen bei Temperaturen von unter 7 °C vollzogen werden, um zu vermeiden, dass man vom ersten Schnee oder Glatteis überrascht wird.
Im Sommer werden die
Reifen vorwiegend auf einem festen Untergrund bewegt. Da im Winter sich meist Schnee oder Matsch auf der Straße befinden, genügen die einfachen Profile der
Sommerreifen nicht den Anforderungen an einen
Winterreifen. Diese sind zusätzlich mit Lamellen, sowie Rillen und Einschnitten in den Profilblöcken ausgestattet, um sich hierdurch mit dem Schnee oder Matsch für eine bestmögliche Kraftübertragung zu verzahnen. Trotz der bestehenden Unterschiede nähern sich die Winterprofile immer mehr den Sommerprofilen an. Dies führt auch dazu, dass die
Winterreifen auch laufruhiger und komfortabler werden.
Bei der Montage von
Winterreifen ist darauf zu achten, dass in der Regel für jeden
Reifen eine Laufrichtung vorgegeben wird. Diese ist auf den
Reifen gekennzeichnet.
Im Gegensatz zu den
Sommerreifen können
Winterreifen mit einem niedrigeren Geschwindigkeitsindex als eigentlich notwendig eingesetzt werden. In diesem Fall muss ein Aufkleber mit einem Hinweis (z.B. XXX km/h) im Sichtbereicht (z.B. neben dem Tacho) des Fahrers angebracht werden. Jedoch sind auch bei den
Winterreifen alle Geschwindigkeitsklassen erhältlich.
Winterreifen werden, aufgrund der weicheren Gummimischung und zur zusätzlichen Unterstützung der Karkasse (= tragende Gerüst des Reifens) je nach Höhe der Außentemperatur, mit bis zu 0,3 bar mehr Luft gefüllt.
Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen können sowohl im Sommer als auch im Winter eingesetzt werden und bilden somit einen Kompromiss zwischen allen Jahreszeiten. Der Vorteil dieser
Reifen ist, dass der bei Sommer- und
Winterreifen notwendige
Räderwechsel wegfällt und somit auch die Kosten hierfür.
Ganzjahresreifen werden vorwiegend nur bei Nutzfahrzeugen im Fernverkehr eingesetzt, da bei längeren Routen die
Reifen mit den unterschiedlichsten Witterungsbedingungen in Berührung kommen. Zu beachten ist, dass diese
Reifen für besonders extreme winterliche Bedingungen (z.B. für den Einsatz in Gebirgen) weniger geeignet sind. In einigen Ländern (z.B. Österreich) besteht eine Winterreifenpflicht, so dass
Ganzjahresreifen im Winter nicht eingesetzt werden dürfen.
Geländereifen
Geländereifen wurden speziell für Geländewägen und SUVs entwickelt. Da die Fahrzeuge sowohl im Straßenverkehr als auch auf unbefestigten Straßen und ggf. bis hin zum schweren Gelände eingesetzt werden können, gibt es entsprechend für den Einsatz optimierte
Reifen. Dazu gehören
ST-Reifen (Street-Terrain), die hauptsächlich für den Einsatz im Straßenverkehr entwickelt wurden und nur eine geringe Geländetauglichkeit besitzen,
AT-Reifen (All-Terrain), die sowohl auf der Straße als im Gelände verwendet werden können, und
MT-Reifen (Mud-Terrain), die vorwiegend im Gelände verwendet werden.
Nutzfahrzeugreifen
Im Bereich der
Nutzfahrzeugreifen haben die
LKW-Reifen eine besondere Bedeutung. Bei den
LKW-Reifen unterscheidet man nicht nur nach Sommer- und
Winterreifen, sondern auch noch nach dem Einsatzzweck (z.B. für Baustellenfahrzeuge oder Fernverkehr) und Achse (z.B. für Antriebs-, Lenk- und Anhängerachsen). Aufgrund der höheren Belastungen und dem damit verbundenen höheren Luftdruck sind
LKW-Winterreifen nicht wie bei
PKW-Winterreifen aus einer weicheren Gummimischung, sondern hier wird das Profil den winterlichen Bedingungen angepasst. Das Profil der
LKW-Winterreifen ist somit für die Haftfähigkeit ausschlaggebend.
Reifen mit Notlaufeigenschaften
Reifen mit
Notlaufeigenschaften, sogenannte
Run-Flat-Reifen, ermöglichen im Falle eines
Reifenschadens, dass der Fahrzeugführer mit einer Geschwindigkeit bis zu 80 km/h ca. 80 bis 300 Kilometer noch zurücklegen kann. Die
Run-Flat-Reifen besitzen verstärkte Seitenwände oder einen Stützring auf der Felge, die bei einem Druckverlust oder beim Platzen des
Reifens ein Abplatten verhindern. Durch eine speziell dafür vorgesehene Felge wird das Abspringen des beschädigten
Reifens von der Felge verhindert. Diese
Reifen gewähren dem Fahrzeugführer trotz eines defekten
Reifens eine ausreichende Übertragung der Lenk-, Brems- und Antriebskräfte.
Der Vorteil der
Run-Flat-Reifen liegt darin, dass ein
Reserverad nicht mehr mitgenommen werden muss und damit Platz und Gewicht eingespart wird.
Reifen mit
Notlaufeigenschaften dürfen jedoch nur eingesetzt werden, wenn am Fahrzeug ein Reifendruckkontrollsystem installiert ist.
Je nach Hersteller sind diese
Reifen mit den Kürzeln ROF, RFT, EMT, RSC, SSR oder DSST versehen.
Diagonal- oder Radialreifen
Bei
Diagonalreifen verlaufen die Cordfäden (aus Baumwoll-, Rayon-, Nylon- und/oder Polyesterfäden) des Gewebeunterbaus (Karkasse) schräg zur Lauffläche des
Reifens und gekreuzt zueinander von Wulst zu Wulst. Der Fadenwinkel beeinflusst die Härte des
Reifens und damit die Seitenführungseigenschaften und den Rollwiderstand, sowie die Federungseigenschaften.
Diagonalreifen wurden nur bis in die 80er Jahre bei Pkws eingesetzt. Sie finden heute meistens nur noch bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen, Oldtimern und älteren Motorrädern Anwendung.
Die
Diagonalreifen wurden von den
Radialreifen verdrängt, die eine wesentlich höhere Lebensdauer haben.
Bei
Radialreifen sind die Cordfäden der Karkasse radial im Winkel von ca. 88 bis 90 Grad angeordnet. Zudem wird zwischen der relativ dünnen und elastischen Karkasse und der Lauffläche zur Stabilisierung des
Reifens ein zusätzlicher steifer Gürtel aus mehreren Textilfasern oder aus feinen Stahlseilen integriert.
Dieser Gürtel verleiht dem
Reifen Festigkeit, Hochgeschwindigkeitstauglichkeit und Haltbarkeit, was auf die Minimierung des Rollwiderstandes zurückzuführen ist. Das Profil in der Aufstandsfläche bleibt offen, was eine bessere Haftung zur Folge hat.
Runderneuerte Reifen
Neben
Neureifen werden von einigen Händlern auch alternativ
runderneuerte Reifen angeboten. Diese
runderneuerten Reifen werden aus alten abgefahrenen
Reifen hergestellt, indem die alte Lauffläche maschinell abgetragen, eine neue Lauffläche aufgelegt und anschließend vulkanisiert wird. Aufgrund der Alterung der Karkasse werden die Geschwindigkeitsklassen bei den
runderneuerten Reifen von den Herstellern nach unten gesetzt. Dies führt dazu, dass sie nicht als
Hochgeschwindigkeitsreifen erhältlich sind.
Runderneuerte Reifen für Pkws spielen im Handel aus Kostengründen eine eher untergeordnete Rolle. Dagegen erfreuen sich die
runderneuerten Reifen für Lkws einer hohen Beliebtheit.
Vorschriften für Reifen
Die Profiltiefe eines
Reifens muss im mittleren Bereich der Lauffläche mindestens 1,6 mm betragen (§ 36 Abs. 2 StVZO). Dieser Grenzwert wird durch einen Indikator, sogenannten TWI-Markierungen, angezeigt. Zum besseren Finden der kleinen Höcker in den Profilrillen verweisen die Buchstaben TWI am Reifenrand auf die Markierungen. Sobald die Mindestprofiltiefe unterschritten wird, muss der
Reifen zwangsläufig gewechselt werden. Sofern dies unterlassen wird, kann dies zu einem Bußgeld führen.
Ebenso schreibt der Gesetzgeber eine an die Wetterverhältnisse angepasste Bereifung vor. Werden
Sommerreifen bei winterlichen Bedingungen eingesetzt, so kann die ebenfalls mit einem Bußgeld (ggf. mit Punkten in Flensburg) geahndet werden.
Wird nach einem Unfall festgestellt, dass dieser auf die unzureichende bzw. unangemessene Bereifung zurückzuführen ist, so kann die Haftpflichtversicherung Regressansprüche gegenüber dem Fahrzeugführer geltend machen.
Tätigkeit der Reifenhändler
Reifenhändler bieten ein umfangreiches Sortiment an
Reifen für jeden Fahrzeugtyp und für jeden Zweck an. Die Angebotspalette wird durch eine große Auswahl von Felgen, von einfachen Stahlfelgen bis hin zu extrem sportlichen Alufelgen, sowie Zubehör ergänzt.
Neben der Beratung und dem Verkauf rund um das Thema
Reifen werden die Montage der
Reifen bzw. Räder und das Auswuchten der Räder übernommen. Ferner übernehmen wird die Einlagerung der
Reifen angeboten.